Nepal – ein Land mit nicht nur schönen Seiten

Dezember 15, 2012 in Nepal, Unterwegs

Irgendwie ist Nepal wie Indien – und dann wieder anders. Wer von Indien nach Nepal reist, der spürt es sofort: Entspannung, weniger Chaos, di e Menschen sind nicht so audringlich, der Verkehr etwas besser. Auch wir haben erst mal durchgeatmet.

Nepal ist zudem landschaftlich wunderschön – aber  Nepal ist auch ein chaotisches, dreckiges und sehr armes Land – der Versuch, die Menschen und die Kultur dort mit Logik zu begreifen, ist ebenso unmöglich wie in Indien.

Ausserdem ist Nepal in vielen Regionen vom Tourismus verdorben. Ausländer werden in erster Linie als eine Quelle für Dollar angesehen. Dies führt dazu, dass die Freundlichkeit der Menschen in den Touristenorten nichts als – oft nicht mal gute – Schauspielerei  ist. Hinter dem aufgesetzten Lächeln läuft die Rechenmaschine, die Dollarzeichen leuchten in den Augen: Wie dumm ist dieser Tourist und wie viel Geld kann ich dem ausländischen Idioten wohl abzocken.

Kinder und Erwachsene betteln auf den Strassen, selbst dort, wo sie das Betteln eigentlich nicht nötig haben – und vermutlich gibt es dumme Touristen, die den „armen Kinderchen“ dann tatsächlich was geben und so dieses Verhalten noch ermuntern – dass dahinter zudem oft ganze Banden stecken, die die Kinder gezielt zum Betteln einsetzen, wissen vermutlich die meisten nicht. Welche Einstellung die Kinder dann haben und welches Schicksal sie erwartet, wenn sie erwachsen sind, kann man sich ausmalen….

Wir haben aber natürlich auch viele andere Menschen getroffen, nett und offen, interessiert und herzlich – ehrliche Freundlichkeit gibt es nach wie vor häufig in Nepal. Wir wollen hier kein einseitiges Bild malen. Gerne denken wir zum Beispiel an die wunderbare Gastfreundschaft im Penguin Guesthous in Pokhara zurück.

 

Man kann beobachten, dass das Land leider mit der rasanten Entwicklung, die die Moderne bringt, überfordert ist. Aus dem Mittelalter werden die Menschen direkt in die Zukunft katapultiert, da kommt die Entwicklung nicht mehr mit: Müllabfuhr sucht man vergebens, der Abfall landet im Fluss oder wird verbrannt, weshalb immer ein beissender Qualm in der Luft hängt. Geld hat keiner – ein Smartphone aber viele. Einige Menschen haben Geld, viel Geld – die breite Masse hingegen ist arm, sehr arm. Hat man Geld, gibt man es sofort aus – oft vor allem für Alkohol. Die Regierung ist korrupt und Gelder verschwinden vermutlich in privaten Taschen – Gesundheitsversorgung, Schulbildung, Infrastruktur – oftmals Fehlanzeige!

Nepal ist dennoch ein wunderschönes Land mit tropischem Dschungel im Flachland, aber auch mit dem höchsten Gipfel der Welt, dem Mout Everest. Bananen, die vor der Kulisse der Achtausender wachsen, sind ein alltäglicher Anblick. Daneben gibt es eine reiche Kultur, mit vielen alten Tempeln und mittelalterlichen Städten, die es zu besuchen lohnt. Und wohl nirgends sonst gibt es ein so breites Angebot von Freizeitaktivitäten wie Rafting, Paragliding, Canyoning, Bungeejumping, Trekking, usw. zu so günstigen Preisen.

 

Touristisch durchaus ein attraktives Land. Mit dem Motorrad ist es allerding schwer herumzukommen, denn viele Regionen sind nicht durch Strassen erschlossen – man kann Fliegen oder Laufen – so wie es die Nepalis traditionell immer schon getan haben.

Uns hat die Zeit in Nepal auf jeden Fall gut gefallen – aber wie bei  allen Ländern, die wir bisher besucht haben, war es irgendwann auch hier genug. Nach zwei  Monaten waren wir froh, wieder weiter zu kommen.